Ein feiner Konzertabend mit Musik aus vielen Stilen (Jahreskozert 2019)

Konzert Stadtkapelle Oberkochen bietet brillante Blasmusik – und trotzdem gibt es einen Wermutstropfen.

Oberkochen. „Eins mit Sternchen“ für die Leistung des Musikvereins und das kaum enden wollende „Raketen-Solo“ von Schlagzeuger Rainer Hausmann. Die Enttäuschung aber vornweg: So viele leere Stuhlreihen gab es noch nie bei einem Jahreskonzert des Musikvereins. Besonders ärgerlich und fast frustrierend für die Akteure war, dass von über 70 Gemeinderatskandidaten, die am kommenden Sonntag gewählt werden wollen, gerade einmal eine Handvoll da war. Keine Honorierung fürs Ehrenamt.

Zurück zum Erfreulichen. „Alle Jahre wieder bieten wir Höchstleistung bei unserem Konzert“, sagte Vorsitzender Thomas Capek in seiner Begrüßung. Über ein Vierteljahr hatte man akribisch geprobt, um den Besuchern sämtliche Facetten von Blasmusik auf Höchststufe ans Ohr zu bringen: volkstümlich, modern, ein Schuss Klassik, Unterhaltungsmusik.

„Ich habe richtig gelegen, dass ich Musikverein live dem ESC vorgezogen habe“, sagte eine Besucherin begeistert in der Pause.

Hans-Gerd Burr mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Vorzeigedirigent, Spaßmacher und Unterhalter par excellence, war sich schon vor dem Konzert sicher, dass das Kollektiv der Stadtkapelle etwas ganz Besonderes in petto hatte: „Wir rocken das Ding“, meinte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Für jeden Geschmack hatte die Stadtkapelle vortreffliche Kost parat. Eine fetzig-rhythmische Laudatio auf die Ohrwürmer von Boney M. und ABBA wurde ans Ohr der begeisterten Besucher gebracht, würdig erklang „Queen in Concert“ in einem Arrangement von Jay Bocook.

Markus Wingert lieferte wie gewohnt informativ sein Insider-wissen zu den Programmpunkten. Mit gekonnter und ausladender Rhythmik wurde die „Neue Welt“ von Alexander Pfluger begrüßt und dann wurde es historisch und episch beim „Return to Ithaka“, ein monumentales Werk, in dem es die Burr-Eleven punktgenau verstanden, die Dramaturgie in differenzierte Tempi und modulative Effekte zu binden. Wunderschön und sensibel dosiert erklangen die Interims der talentierten Solisten. Musikalische Sprache und historisches Geschehen wurden in enger Verzahnung transponiert und das Accelerando im Mittelteil wurde atemberaubend intoniert.

Mit der „Pacific-Bahn“ entführte die Stadtkapelle durch Oregon und effektiv-lautmalerisch wurde das Tongemälde einer abwechslungsreichen Landschaft präsentiert.

Höhepunkt des fulminanten Konzertabends war Rainer Hausmann in der Toccata in D-moll von J.S. Bach. Der lieferte ein bombastisches Schlagzeug-Solo, als es sich der Dirigent in der ersten Reihe bereits bequem gemacht hatte. Für Rainer Hausmann gab es stehende Ovationen.

Gut, dass Hans-Gerd Burr seinen „Rücktritt-Kurzschluss“ beim letztjährigen Adventskonzert schnell widerrufen hat. Musikverein ist Burr und der gehört zur Stadtkapelle wie der Notenständer zum Musiker.

© Schwäbische Post 19.05.2019 19:33
 
Lesermeinung

Zum Konzertabend der Stadtkapelle Oberkochen am 18. Mai

Vielen Dank für den hervorragenden Bericht in der SchwäPo zum Jahreskonzert des Musikvereins Stadtkapelle Oberkochen. Ich kann ihren Ausführungen nur zustimmen und sage Chapeau für die wunderbare musikalische Leistung, die uns die Musikanten an ihrem Konzertabend am 18. Mai dargeboten haben.

Deshalb war es wirklich sehr traurig zu sehen, dass die Oberkochener der Veranstaltung fern geblieben sind, wie schon die Jahre zuvor, und damit ihrem Musikverein keinerlei Wertschätzung entgegengebracht haben. Es wäre für jeden musikalischen Geschmack etwas dabei gewesen! Obendrein verlangt die Stadtkapelle Oberkochen, im Gegensatz zu anderen Vereinen im Ostalbkreis, nicht mal Eintritt für ihr Konzert.

Ich komme aus einem Aalener Teilort und mir war der Weg nicht zu weit, meinen Freunden durch mein Kommen Respekt für ihre Mühen zu zollen. Dass kaum „wählbare“ Gemeinderatskandidaten anwesend waren, war wirklich sehr enttäuschend. Wo sich doch so viele von ihnen – nicht nur in Oberkochen – die Förderung einer bunten Vereinslandschaft und des Ehrenamts auf die Fahnen geschrieben hatten.
Meine Damen und Herren, es gibt nicht nur Breitensportvereine, die gefördert und respektiert werden wollen, auch Musikvereine haben jede Honorierung fürs Ehrenamt verdient! Von mir jedenfalls ein herzliches Dankeschön an alle Musikanten und ihrem musikalischen Leiter Hans-Gerd Burr für die herausragende musikalische Kunst, die uns an diesem Abend der Musikverein Stadtkapelle Oberkochen präsentiert hat. Macht weiter so!